Musik-Kinesiologie: Musizieren ohne Stress!

Vortrag beim Kongress der Fédération Belge de Kinésiologie in Brüssel (15. November 2003)

 
Die Musik-Kinesiologie ist ein besonderer Zweig der Kinesiologie, vornehmlich bestimmt für Musiker und Künstler, die sich auf der Bühne darstellen. Sie wurde von Rosina Sonnenschmidt und Harald Knauss* in Deutschland geschaffen und entwickelt, und zwar ausgehend von ihren Erfahrungen als professionelle Musiker und Kinesiologen.

Das Publikum ahnt wenig von dem Stress der Musiker, er ist jedoch ständig präsent auf allen Stufen ihrer Ausbildung und ihrer Karriere. Man bedenke die Leistungsanforderungen von Eltern und Lehrern, bei Aufnahmeprüfungen und die Notwendigkeit, mehrere Stunden täglich am Instrument zu üben. Die daraus entstehenden Energieblockaden, - das Lampenfieber, Atem- und Muskelprobleme, fehlende Motivation, Frustrationen, fehlender Kontakt zum Publikum – werden nicht wirksam genug in der Ausbildung von Musikern berücksichtigt.

Um diese Stresserscheinungen aufzulösen, benutzt die Musik-Kinesiologie wohl bekannte Techniken der angewandten Kinesiologie:

Alle diese Techniken werden verfeinert und vervollständigt, um besonderen Stressproblemen von Musikern zu begegnen. Dazu benutzen wir verschiedene Barometer – hervorgegangen aus dem Verhaltensbarometer – die uns erlauben, Emotionen auszutesten, die mit bestimmten Noten oder Intervallen verbunden sind.

Das Farb-Ton-Barometer zeigt die emotionalen Verbindungen zwischen Ton- und Farbfrequenzen. Es basiert auf den 7 Noten der Tonleiter – von C nach H – und den 7 Farben des Regenbogens. Um das hohe C beim Sopran zu entstressen, könnte man in der Farbe Rot ein Wortpaar austesten: wenn das Wortpaar „selbstbewußt/bestraft“ stressbeladen  ist, wird es kreativ in die Balance einbezogen, bis diese Note fließend gesungen werden kann.

Ähnliches gilt für das Intervall-Barometer, das die emotionale und symbolische Bedeutung der Intervalle zeigt. Dem mit dem technischen Problem eines Intervalls befassten Musiker ist oft nicht bewusst, dass der Stress nicht technisch sondern energetisch bedingt ist. Deshalb balancieren wir dieses Intervall mit dieser Methode, ebenso die verschiedenen Tonarten.

Ein weit verbreitetes und sehr schwierig zu steuerndes energetisches Problem ist Lampenfieber, das sich durch unterschiedliche somatische und psychologische Phänomene mehr oder minder großer Tragweite äußert. Die medizinische Antwort auf dieses Problem ist leider zu oft eine Behandlung mit Psychopharmaka.

Wir haben in der Kinesiologie andere Möglichkeiten, Zugang zu diesem Stress zu finden. Zunächst braucht der Künstler einen hohen Grad an Energie, er erlebt einen energetischen Dialog, einerseits mit seinem Instrument und anderseits mit seinem Publikum. Es ist uns z.B. möglich, sehr präzise die verschiedenen Phasen zu testen, die dem Konzert vorausgehen: wie auf die Bühne gehen, das Publikum wahrnehmen, sich verbeugen, sein Instrument stimmen, usw. Außerdem testen wir die Phasen des Konzerts selbst, die Beziehung zum Raum, zum Publikum, zu den Kollegen, zu Kritikern sowie die Phase der Rückkehr zur Realität nach dem Konzert, notwendig um sich wieder zu erden.

Die Techniken zur Stressablösung berücksichtigen alle diese Punkte und sprechen alle fünf Sinne an, von der Visualisierung positiver Bilder bis zur Verankerung des Zielsatzes.

Die Musik-Kinesiologie dient gleichermaßen zur Aus- und Fortbildung der Musiklehrer, die durch Kreativität andere Wege gehen und neue Zugänge zur Musik entdecken wollen. Durch eigene Erfahrung mit besonderen Techniken und energetischen Übungen in der Gruppe können sie diese anschließend in ihrem Unterricht anwenden. Die Schwierigkeiten, denen die Schüler begegnen – Motivationsmangel, Kontaktverlust zum Instrument, Lampenfieber bei Auftritten und vor Prüfungen, usw. – sind in der Tat oft energetischer Natur und können durch geeignete Übungen verbessert werden.

Der Instrumentallehrer sollte weder Muskeltest noch Stressablösung im Unterricht anwenden; dies sind Techniken allein der Einzelbalance durch einen erfahrenen Kinesiologe vorbehalten. Aber er könnte seinen Schülern, einzeln oder in der Gruppe, folgende Übungen zeigen:

Diese kreativen Übungen sind zugleich einfach und wirksam. Sie werden gut von den Schülern aufgenommen, wenn man ihnen den Sinn und Zweck erklärt und wenn sie die Möglichkeit haben, ihre Wirkung zu erfahren: z.B. das Spielen einer schwierigen Passage, dann das Verfolgen der liegenden Acht über die Noten mit den Augen und ein erneutes Spiel der Passage, indem man auf Unterschiede achtet.

Am Ende sei noch einmal die hochinteressante Arbeit mit Farben in der Musik zu erwähnen, sowohl in der Einzelsitzung mit dem Musiker am Instrument als auch bei einer Fortbildung in einer Gruppe.

Diese Arbeit ist gewiss kinesiologisch aber sie bleibt immer auf musikalischer Ebene, denn jeder im Laufe einer Sitzung eingesetzten Übung folgt unmittelbar eine musikalische Sequenz, um auch die Wirkung zu spüren. Auf diese Weise nähert man sich immer mehr einem Zustand des Sich-Wohlfühlens, in dem die Energie des Musikers und jene des Publikums eine ideale Verbindung eingehen.

Zurück